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Tipi-Camp

In der Erzieherausbildung ist das Tipicamp fester Bestandteil und ein Höhepunkt der Ausbildung. Für eine ganze Woche leben die Studierenden mit Kindern und Lehrern aus Kasseler Förderschulen ganz in der offenen Landschaft in der weiteren Umgebung von Kassel. In vier großen Tipizelten spielt sich das Leben direkt auf dem Boden ab.

Gekocht wird auf großen Lagerfeuern, das Trinkwasser wird mit Bollerwagen und Eseln aus dem benachbarten Dorf herbei gebracht. Das Leben am Wasser und im Wald und auf den Wiesen, wo die Tipis stehen, ist für manche Kinder das erste Mal, dass sie aus der Stadt heraus sind.

Die angehenden Erzieherinnen und Erzieher des Rudolf Steiner Instituts erleben in der Vorbereitung und Nachbereitung, zuallererst aber in der praktischen Durchführung dieses Projekts eine Zusammenführung aller Inhalte der Ausbildung. Und sie erleben zumeist auch eine tiefe Befriedigung und Sinnhaftigkeit, was ihren zukünftigen Beruf betrifft.

Neue (Er)Lebensräume

Die „Kinder unserer Zeit“ wachsen in einer Kultur auf, die durch soziale und technische Optimierung so gestaltet ist, dass die meisten Arbeitsabläufe menschlicher Arbeit arbeitsteilig erfolgen und die meisten Arbeitsvorgänge mit Hilfe technischer Geräte, sowie hinter Bildschirmen ablaufen.Dies schafft den Erwachsenen ein hohes Maß an Bequemlichkeit, den Kindern ein ebenso hohes Maß an Undurchschaubarkeit für die Lebens- und Arbeitszusammenhänge. Dieser Verlust der „tatsächlichen“ Zusammenhänge oder, dramatischer formuliert, die Zersplitterung der Lebensräume, ist mit ein Ursache für die Unruhe und die Angst, die sich auf psychischer und physischer Ebene immer mehr ausbreiten. Kinder brauchen nach unseren Erfahrungen, um in ihrer Entwicklung den Anschluss an unsere technisch hoch entwickelte Zeit zu bekommen, die Möglichkeit, kumturelle Evolution handelnd und erlebend nachzuvollziehen. Je moderner eine heutige Pädagogik sein will, umso evolutionärer muss sie denken und handeln lernen. Das bedeutet altersgemäße Lebens-, Lern- und Schutzräume zu schaffen und sie mit den Kindern „wachsen“ zu lassen. Konkret gesprochen bedeutet das z.B.: Kindern ein (heute leider nicht mehr selbstverständliches) Naturerleben zu ermöglichen, d.h. die Natur mit den Sinnen wahrnehmen und kennenlernen, in der natur arbeiten, sich erproben, Vertrauen und Liebe zu sich und der Umwelt gewinnen…

Seit über 30 Jahren werden am Rudolf Steiner Institut ErzieherInnen ausgebildet. Seit vielen Jahren gibt es außerdem den Fachbereich Heilpädagogik. Neu hinzugekommen ist in den letzten Jahren der Ausbildungszweig für SozialassistentInnen. Um die Ausbildung so nah wie möglich an und in der Praxis durchzuführen, gehört seit den Anfängen des Instituts aktive Kinder- und Jugendarbeit in den Brennpunkten Kassels (z.B. in Jugendhäusern, Schulen und Sonderschulen, auf Spielplätzen etc.) zum Konzept. Die angehenden Sozial- und Heilpädagogen werden heir schon während der Ausbildung zu praxisnahem, verantwortlichem und selbständigem Arbeiten angeleitet.

Immer mehr Bewerber für den pädagogischen Beruf haben (wie die Kinder) denn unmittelbaren Lebensbezug alltäglicher „Gegenstände“ aus der Erfahrung verloren. Sowohl für die Kinder als auch für die lernenden Pädagogen wollen wir Wirklichkeitsbezug herstellen. Dazu haben wir das Projekt „Kindercamp“ ins Leben gerufen. Das Projekt ermöglicht den Erziehern un den Kindern unbeschreibliche praktische Erfahrungsfelder: mit der Natur, mit den Sinnen und des sozialen Umgangs.

Die Innovationskraft dieses Projekts liegt in der Verknüpfung von praktischen Lernorten und Theoriebildung, von Planungsaufgaben und sozialpädagogischen Arbeitsfeldern.

Aus den Aufsätzen der Schülerinnen und Schüler der 6. Klasse zum Camp:

„Am vierten Tag war anfangs alles in Ordnung. Doch abends, als wir am Feuer saßen und Daniel, einer unserer Betreuer, eine Geschichte erzählte, sprach er plötzlich immer lauter. Plötzlich sprangen aus dem Wald dunkle Gestalten. Sie brachten große Eimer voll Wasser mit und löschten unerwartet Feuer. Manche Mädchen hatten Angst. Sie hinterließen eine Nachricht. Auf dem Papier stand, dass wir zum Bergsee laufen sollten-im Dunkeln. Als wir ankamen, sahen wir Fackeln leuchten. Alle durften sich eine Fackel nehmen. Mit dieser Beleuchtung wanderten wir wieder ins Camp zurück und schliefen gut in der letzten Nacht.

Am nächsten Tag brachen wir die Zelte ab, packten alles zusammen und gingen los. Als wir wieder in der Schule ankamen, haben sich viele gefreut, ihre Eltern wiederzusehen und alle waren glücklich.“ (Felix)

Johannes Wolter (Ansprechpartner)

Siehe auch „Fächer/Projekte; TipiCamp“

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