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erZÄHLen

Kassel + Rudolf Steiner + Das Johannesevangelium
erZÄHLen – ein Projekt des Rudolf Steiner Instituts Kassel zu Kassel 1100

Vom 24/06/ bis 07/07/1909 hielt Rudolf Steiner im Saal der Murhardschen Bibliothek in Kassel vierzehn Vorträge zum Johannesevangelium.

Vom 24/06/ bis 07/07/2013 liest die Schauspielerin Jeanette Dietrich in den Räumen des Rudolf Steiner Institutes Kassel, Wilhelmshöher Alle 261, diese Vorträge jeden Abend um 20 Uhr öffentlich.

Ein Begleitprogramm mit vertiefenden Veranstaltungen und einer ProjektWerkstatt, die täglich geöffnet ist, bildeten neben den Lesungen das öffentliche Projekt erZÄHLen .

Ein Freiraum, ganz bewusst gesetzt in den Trubel der zwei letzten Schulwochen.

Ein Ansatzpunkt, sich heute dem Vortragszyklus Steiners und dem Johannesevangelium zu nähern, sind die Zahlen und ihre Verhältnisse und Beziehungen. Sich das Werk in der Stadt der Gebrüder Grimm, 200 Jahre nach der Erstausgabe ihres Märchenbuches und im Jubiläumsjahr „1100 Kassel“, im ErZÄHLen zu erschließen, ist ein Anliegen des Projektes.

Mit diesen Worten informierten wir Sie im letzten Newsletter über unser Unterfangen, in den letzten beiden Studienwochen vor den Sommerferien, ein solch anspruchsvolles und außergewöhnliches Projekt verwirklichen zu wollen. Ein großes Wagnis, das wir bewusst eingegangen sind.

Und wir wurden für unseren Mut belohnt. Die Zeit des Sonnenwendepunktes ist wie die Zeit der heiligen 13 Nächte als Gegenpol, eine besondere Zeit. Eine Zeit außerhalb der Zeit. Dies zu würdigen und aus dem normalen Alltag, aus der normalen Zeit, wenigstens für ein paar Stunden, manchen gelang es auch länger, auszusteigen, das war tief erlebbar. Auch wie gut das tut, gerade in der hektischen Zeit des Institutsjahres.

Das Projekt fand ein großes Echo. Alle Veranstaltungen waren überdurchschnittlich gut besucht. Schon bei der Eröffnungsveranstaltung am 23.07.2013 platzten die Räume aus allen nähten. Bei den 14 Lesungen waren immer zwischen 35 und 60 Menschen anwesend. Sie kamen auch von außerhalb Kassels, z. B. aus Hannover oder Göttingen oft jeden Abend angereist.

Der Höhepunkt war sicherlich die 14. und letzte Lesung, am Sonntag, den 07. Juli 2013, die an drei „geheimen“, vorher nicht bekannten, außergewöhnlichen Orten stattfand. Über 60 Menschen zogen vom Ausgangspunkt, den Veranstaltungsräumen mit den beiden Initiatoren Michael Hayn und Markus Stettner-Ruff sowie der Leserin Jeanette Dietrich zu den Lesungsorten „Pro-Bio Lebensmittelmarkt“, Schaltervorhalle Kreissparkasse, die Himmelsleiter des dOCUMENTA-Kunstwerk: Am Ende des Weges“ auf Gleis 14 des ICE-Bahnhofs Kassel Wilhelmshöhe. Von diesen Orten wussten nur die Initiatoren, sonst niemand. Auch die „Prozession“ auf dem Weg zwischen den Lesungsorten sorgte für große Aufmerksamkeit. Dieser Schlussakkord war der Versuch mit dem Anspruch des Gesamtprojektes, „das Initiationsprinzip zum Zivilisationsprinzip werden zu lassen“, ernst zu machen.

Fotos von Birgitta Schwansee:

Dieser ästhetische Qualitätsanspruch, die Frage des „WIE?“, zog sich durch das gesamte Projekt und wurde in der Auswahl und Gestaltung der Räume, die jeweils am Nachmittag aus dem Werkstattimpuls heraus und in Beschäftigung mit der erZÄHLqualität des jeweiligen Vortrages am Abend, aus dem Moment heraus entwickelt wurden. Jeden Morgen zwischen 06.30 und 07.50 Uhr wurde der Hinterhofraum, ausgerichtet auf den jeweiligen Vortrag und die entsprechende ZAHL, gestaltet. Die Grundmaterialien wie Steine, Pflanzen, Stoffe, Tafeln, Hölzer, Kohle, Zigarettenkippen… waren weitestgehend die Selben. Aus dem morgendlichen Moment heraus erschuf sich die jeweilige Raumskulptur. In der zweiten Woche wurde den BesucherInnen dabei auch einiges abverlangt. Nach und nach wurde jeden Tag ein anderer Raum, „symbolisch“ für eine bestimmte Atmosphäre und Zustand unserer Zivilisation stehend, für die Lesungen erobert. Über Werkstatt, Kellerflure, Lagerräume, Treppenhaus schälte sich die Veranstaltung, über das Hintertreppenhaus, immer höher durch das Gebäude des Anthroposophischen Zentrums – ohne dass jemand „offiziell“ im Vorderhaus etwas mitbekam – um sich am letzten Tag den Weg nach draußen, in die Zivilisation, die gesellschaftliche Realität, zu den Orten der Menschen, zu bahnen.

In der Pause nach der Lesung und vor dem anschließenden Gespräch im Hauptveranstal-tungsraum wurde in besagtem Hinterhof jeden Tag Brot gebrochen und Waldhofapfelsaft getrunken. Und es wurde bei allen Lesungen und Gesprächen fleißig gestickt. Die beiden großen, etwa 30 Meter langen dOCUMENTA (13) – Picknicktischdecken, wurden weiter bestickt, eine Tradition des RSI-Projektes „Zusammenbruch und Weideraufbau – Schöpfen aus dem Nichts“, vom August 2012, fortführend.

Die Projekt-Werkstatt am Vormittag war vor allem in der ersten Woche, als die SeminaristInnen von A 1 mit beteiligt waren, lebendig und führte zu tiefen religiösen, ethischen und gesellschaftspolitischen Fragen, die immer auch in die Raumgestaltung, vor allem aber die Gesprächsrunden am Abend nach den Vorträgen einfloss. Auch diese waren besonders in ihrer Form, unterlagen einer inneren wie äußeren Dynamik.

Das Selbe gilt für die Form der Lesungen. Die Schauspielerin und Sprachgestalterin Jeanette Dietrich aus Schwäbisch Hall war ein Glücksgriff. Wie sie sich auf dieses Projekt mit Haut und Haaren einließ, es äußerlich mit ihrer Stimme und ihrem Körper prägte und innerlich mit- und durchtrug, war unglaublich und nötigte allen hohen Respekt und Anerkennung dieser enormen künstlerischen Leistung gegenüber, ab. Ohne sie wäre das Projekt im Nachhinein undenkbar. Sie war Kristallisationspunkt und Sprachrohr. Medium.

Eine zweite Persönlichkeit war prägend: Michael Hayn. Ansatzpunkt für ihn, sich heute dem Vortragszyklus und dem Johannesevangelium zu nähern, waren die ZAHLEN und ihre Verhältnisse und Beziehungen. Seine „ZAHLENspiele“ am Eröffnungsabend und am So., den 30.06., waren überraschend, erfrischend und erhellend. Sein tieferes Motiv, sich mit seiner gesamten Persönlichkeit in das Projekt einzubringen, wurde erst während des Projektes sichtbar. Vielleicht ist es auch erst dort entstanden. Es ging ihm darum, jetzt, im Sommer 2013, an Wurzeln des Anthroposophischen Zentrums, mit denen er sich tief verbunden fühlt – insbesondere zwei Menschen, die dafür stehen – anzuknüpfen, ihrer zumindest zunächst wieder klarer bewusst zu werden. Dass der Geburtstag der Grundsteinlegung genau in dieser Zeit lag, war Zeichen und Geschenk gleichzeitig. Es gelang dem Projektteam und ihm, dieses Geschenk und Zeichen im Rahmen des Projektes angemessen zu würdigen und mit einzubeziehen.

Jeanette Dietrich und Michael Hayn haben großen Anteil daran, dass es uns gelang, den Schatz, den Rudolf Steiner uns mit seinem Kassler Johannes Evangeliumszyklus geschenkt hat, für einen Moment – genau 14 Tage im Sommer 2013 – zu heben. Eine Zeit außerhalb der Zeit.

Dank sei allen, die dazu beigetragen haben.

Wie kräftig und nachhaltig dieser Impuls war, wird sich zeigen.

MSR

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