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Aktion Fukushima

In den Tagen der atomaren Katastrophe von Fokushima im März 2011 und der damit verbundenen öffentlichen Diskussion traf sich spontan am Rudolf Steiner Institut ein kleiner Kreis von SeminaristInnen und DozentInnen, um sich über das was die Einzelnen innerlich bewegte aus zu sprechen. Daraus entstanden zwei Aktionen:

Eine Lichterschiffchenaktion am Hiroshima-Ufer an der Fulda in Kassel und ein Aufruf.

Wir dokumentieren nachfolgend einen kurzen Bericht für die Zeitungen über die Schiffchenaktion und den Aufruf.

Lichterschiffchen für die Menschen in Japan

50 junge Menschen und Kinder gedenken in besonderer Weise den Opfern

Unter dem Motto: „Energie sparen und Energie geben“ hatten Seminaristinnen und Seminaristen des Rudolf Steiner Institut Kassel zu einer außergewöhnlichen Aktion am Sonntagabend um 20 Uhr an der Fulda in Kassel aufgerufen. Sie hatten sich dazu das symbolträchtige Hiroshima-Ufer ausgesucht, knüpfte die Aktion an eine ähnliche, alljährlich am 06. August stattfindende Tradition in Hiroshima an, dem Ort des ersten Atombombenabwurfes. Jeder sollte ein kleines Kerzenschiffchen aus Papier oder Holz mitbringen, um es dann gemeinsam in der Fulda schwimmen zu lassen. Damit wollten die jungen Menschen den Opfern der Erdbeben- und Sunamiekatastrophe gedenken, als auch den Lebenden, insbesondere den Arbeitern, die im Atommeiler in Fukishima ihr Leben und ihre Gesundheit riskieren um den atomaren Supergau zu verhindern, Kraft und Dank zu zusprechen.

Rund 50 Menschen folgten dem per Mund zu Mund weitergegebenen Aufruf.

Nach einer gemeinsamen Schweigezeit im Kreis, wurden die Lichterschiffchen zu Wasser gelassen und von Friedensgesängen der jungen Menschen begleitet. „Die Aktion war still, poetisch und sehr schön“, wie es Brigitta Schwansee, eine der Teilnehmerinnen, ausdrückte.

Am Ende wiesen die Seminaristen auf ihre weiterführende Energiesparaktion hin und verteilten einen Aufruf dazu.

Um ihrem Wunsch, einer schnellen Abschaltung aller deutschen Atomkraftwerke mit konstruktivem, eigenem Engagement Nachdruck zu verleihen, rufen sie darin die Bevölkerung dazu auf, ihrem Beispiel zu folgen und symbolisch bis zum Hiroshima-Tag am 06. August, jeden Sonntag zwischen 16 und 18 Uhr, möglichst stromfrei zu leben. Denn ohne bewussten Verzicht, ohne den Willen der Bevölkerung in größerem Maße Strom einzusparen wird die Energiewende nicht möglich sein. Der Aufruf kann bei stettner_ruff@web.de angefordert werden.

Aufruf

Die aktuelle und vergangene nukleare Katastrophe in Japan zeugt davon, dass das Erzeugen von Strom mittels der Kernenergie und der Besitz von Atomwaffen lebensgefährlich und nicht beherrschbar ist. Sie greifen zerstörend in die Lebensgrundlagen von Menschen, Tieren und Pflanzen ein – vor allem in die, unserer Nachkommen mehrerer Generationen.

Dies können wir mit unserem Gewissen nicht vereinbaren. Deshalb ist es unser politisches Ziel so schnell als möglich auf jegliche atomare Waffen- und Energietechnik zu verzichten und alle Atomwaffen und Atomkraftwerke abzuschaffen. Die Konsequenzen sind wir bereit zu tragen.

Uns ist klar, dass dies nur in kalkulierten Schritten erfolgen kann und zunächst die Bereitschaft von jedem Einzelnen von uns erfordert, auf gewohnte Annehmlichkeiten zu verzichten.

Der zur Zeit für unsere Art zu Leben benötigte Strom übersteigt bei weitem die Kapazität „sauberer“, verantwortbarer Energiegewinnung. Die einzige Möglichkeit trotzdem einen schnellen Ausstieg aus der Atomenergie zu erreichen, ist die Energieeinsparung in großem Umfang. Ansatzpunkt dazu ist ein umfassender Bewusstseinswandel in uns: der heisst Verzicht.

Wir wollen uns dafür einsetzten, dass es in den nächsten Tagen, Wochen und Monaten nicht dazu kommt, dass sich Gegner und Befürworter der Atomkraft auf der politischen Bühne konfrontativ bekämpfen. Dazu müssen wir BürgerInnen den politisch Verantwortlichen, wie auch der Industrie, deutlich zeigen, dass wir diese Energiegewinnung nicht mehr wollen – z. B. in dem wir solche Stromerzeuger wählen, die ausschließlich regenerative Energiegewinnungsformen praktizieren, auch wenn dieser Strom zunächst teurer ist.

Noch wichtiger aber ist es, dass wir konstruktive Schritte auf die politisch und wirtschaftlich Verantwortlichen zu gehen. Wir müssen ihnen unsere Bereitschaft bekunden, auf Energie in dem Maße zu verzichten, wie sie bisher aus Atomkraft erzeugt wird und die sich daraus ergebenden Einschränkungen zu tragen.

Um glaubwürdig zu sein, heisst dies für uns schon jetzt, konkret zu handeln und ab sofort freiwillig Strom in größerem Maße einzusparen, in dem wir auf Dinge die Strom verbrauchen verzichten. Solche Dinge, deren Verzicht uns zwar scheinbar weh tut, die aber meist Luxus sind, wenn wir ehrlich mit uns umgehen. Vielleicht erleben wir den Verzicht als Befreiung. Wir bitten jeden, sich individuell im Alltag bewusst und lustvoll in diesem Sinne zu bescheiden.

Damit unser Fühlen, Denken und Handeln eine symbolische Kraft erhält, zu einer konkreten, politischen Wirksamkeit sich entfaltet, rufen wir zu folgender gemeinsamer Aktion auf:

Bis zum Hiroshima-Tag am 06. August 2011 verzichten wir jeden Sonntag von 16 bis 18 Uhr auf die Benutzung von Strom, dort wo es Sinn macht. Beispiele: elektrische Unterhaltungsgeräte, Computer, Handy, Telefon, alle unnötigen elektrischen Lichter, alle motorisierten oder elektrisierten Fahrzeuge ……

Über unsere Taten sprechen wir miteinander und tauschen unsere Erfahrungen aus. Wir beginnen jetzt.

Kassel, 18. März 2011

Kirstin-Marlen Keitel, Gesa Schlüter, Ulrike Rieker, Annegret Höhle, Michaela Hermes, Tamilla Odinaeva, Stella Bispinghoff, Fee Kappler, Kirstin Jolly, Raoni Hipolito da Silva, Rheresa Brüne, Charlotte Henning, Sonja Hahn, Almut Slezak, Martina Silbermann, Konrad Loos, Emmaculate Ochieng, Nansuel Kim, Anémone Grünenberger, Isabell Goertz, Isabella Bokatius, Helena Duve, Lars Kreuziger, Magdalena Pfirrmann, Gesine Fay, Markus Stettner-Ruff

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