Gedanken zur Gestaltung von Jahreszeitentischen (A. Strehlow)

Vor kurzer Zeit wünschte sich meine Schwiegertochter das Buch über die Gestaltung der Jahresfeste – da kam ich in Gewissenskonflikte, denn ich verschenke zwar gerne Gewünschtes, aber ich verschenke nicht Bücher, an die ich kritische inhaltliche Fragen stelle. So entstand der folgende Brief, der vielleicht für die Menschen auch von Interesse ist, die für kleine Kinder die Lebensumgebung versuchen bewusst zu gestalten.

Liebe …………..,

ich könnte mir zeichnerisch Baum um Baum erarbeiten – so würde ich vielleicht irgendwann auf die Frage stoßen: Wie oder wodurch kann aus so einem kleinen Samenkorn ein so gewaltiger großer Baum wachsen?

Sofort stoße ich auf die wesentlichste Frage überhaupt – Was ist Leben, wie kann ich es verstehen?

Leben findet in der uns bekannten Form unseres Wissens nach, nur hier auf der Erde statt – nur innerhalb der Atmosphäre. Schon kurz oberhalb der Baumgrenze im Gebirge spüren wir, dass die Lebensbedingungen erschwert sind – ebenso in der Wüste – oder im Wasser. Jedes Lebewesen hat bestimmte Bedürfnisse zum Überleben – oder andersherum betrachtet hat sich ein Lebewesen jeweils ganz in die es umgebende Landschaft, Natur einlebend gebildet. Nur der Mensch kann an den verschiedenen Orten und deren verschiedenen Bedingungen leben – aber dies Leben ist ja auch sehr unterschiedlich und prägt uns.

In jeder Umgebung befinden sich die vier Elemente – Feuer oder Wärme, Luft, Wasser und Erde in unterschiedlichstem Zusammenspiel.

Die Erde ist mineralisch fest, in Form, schwer, Halt gebend, sich lagernd, unbeweglich ….. – in der steinigen Wüste oder dem Hochgebirge können wir sie fast rein erleben.

Das Wasser ist sehr beweglich, oft in unterschiedlichen Zuständen – dann ist es aber nicht mehr allein Wasser. Wasser ist auch schwer, fließt dem Tale zu, reißt Stoffe mit sich, löst auf ….

Die Luft ist schwer zu greifen, leicht, flüchtig, dringt durch alle Ritzen, nimmt Gase unsichtbar auf und verteilt alles – zentripetal ist ihre Richtung.

Und das Feuer vernichtet Substanzen, sodass nur noch mineralische Stoffe übrig bleiben. Es ist heiß im Zentrum und die gebildete Wärme steigt stetig nach oben, verbreitet sich. Es kann wärmen und zerstören.

So könnte man noch viele feiner beobachtete Eigenschaften der Elemente finden, als Basis für meine Ausführungen soll es aber dabei bleiben.

Betrachte ich nun Leben, so ist zu beobachten, dass zu den vier Elementen noch vier Kräftewirkungen hinzukommen müssen. Diese okkulten Kräfte, deren Auswirkungen wir lediglich erkennen, benennt R.Steiner mit Bildekräften, Ätherischen Kräften – bezogen auf ein Lebewesen Ätherleib, Bildekräfteleib, Lebensleib …. der jeweils die genannten Kräfte umschließt. Durch das Zusammenspiel dieser Kräfte und der Elemente kommt es zur Materialisation (mater – Urgrund des Seins) der Erscheinungsformen. Die Idee des Baumes liegt gleichsam im Samen, berühren die Elemente nun die Idee, so entsteht die lebendige Form als Abdruck, als Ausdruck der Kräftewirksamkeit.

Betrachtet man diesen Vorgang detailliert, so kann man erkennen, dass die Kräfte fast eine gegenläufige Wirksamkeit als die Elemente haben.

Bleiben wir beim Baum – im Februar/Anfang März steht noch der kahle holzige Baum vor unseren Augen, ein Bild des Elementes Erde. Aber in ihm selber strömen permanent – auch wenn er noch kein Laub trägt – viele Liter Wasser nach oben – wohin nur?

Fällt man in dieser Zeit zB eine Birke, so sprudelt aus ihrem Kambium Wasser wie aus einer Quelle. Es ist vom Klangäther – oder Chemischen Äther verlebendigte Flüssigkeit, Träger von tausenden von Informationen (in formare – eine Gestalt geben). Im Lebewesen, also auch in uns, fällt die Flüssigkeit nicht nach unten, nur im Krankheitsfall – sondern sie fließt rhythmisch pulsierend gegen die Schwerkraft. Die Kraft bildet durch die Flüssigkeit Formen, was in der Herzbildung des menschlichen Embryos am sichtbarsten wird – erst fließt das Blut pulsierend, darum bilden sich die Adern, aus der Bewegung bildet sich das Herz.

Also in gegenläufiger Wirksamkeit als das Wasser wirkt die Ätherkraft des Chemismus oder Klanges. Wunderbar ist es dem Forscher Lauterwasser gelungen dies sichtbar werden zu lassen. Die wunderbare Formenvielfalt unserer Natur sind Abbilder der Kräfte.

Lag Anfang März noch Schnee – auch in ihm sind ja die zauberhaftesten Formen zu entdecken – so kann man die Schneeschmelze als erstes unter den Bäumen erkennen. Im Wurzelbereich, der ja ähnlich der Krone spiegelverkehrt unter der Erde liegt, beginnt sich Leben zu regen, aber erst einmal beginnt eine zarte Wärmewirksamkeit. Der Wärmeäther verbindet sich und führt die Wärme nach unten. In unserem Leib wird sein Wirken deutlicher. Wir brauchen warme Füße und einen kühlen Kopf, in unserem Leib wird durch Wärme gebildet, nicht verzehrt – nur wenn das Element Feuer stärker wird als die Wärmeätherkraft, drehen sich die Verhältnisse um, wir bekommen Fieber und verströmen Wärme – eigentlich halten wir sie feinst differenziert im ganzen Leib. Das Auge, die Niere, die Leber … alles braucht die ihm entsprechende Wärme. Jedes Tier ist angewiesen auf seine Lebensumwelt und die ihm entsprechende Wärme, Löwe und Eisbär können nicht tauschen, der Mensch kann durch das Ersinnen von Hilfsmitteln als einziger sich überall aufhalten.

Nun fehlt noch die Betrachtung der Luft, deren Erkenntnis erlangt man durch die Zusammenschau mit dem Lichtäther am besten beim Menschen. Licht lässt uns Form erkennen – es ist grade strahlig wirksam. Die luft in unserem Organismus ist lebensnotwendig – oder tödlich! Sie muss sich streng an die Regeln halten – nur bis zu den kleinen Alveolen in der Lunge zu gelangen, schon im Magen-Darmbereich führt sie zu Störungen, im Blut gar zum Tod.

Dies sind nur Gedankenanstöße, natürlich muss man da weiter und weiter suchen und forschen. Deutlich ist aber – immer wirken also Ätherkraft und Element zusammen

Luft / Licht – Lichtäther

Feuer / Wärme – Wärmeäther

Wasser – Chemischer- oder Klangäther

Erde – Lebensäther

Und eigentlich können wir die vier Bereiche nur gedanklich trennen, denn im Leben wirken sie alle vier miteinander in unterschiedlicher Gewichtung.

In unserem Leib darf, außer den Kristallen im Innenohr, nichts unbelebter Stoff werden, selbst die Zähne bleiben hoffentlich lange am Leben. Der Knochen bildet sich permanent neu – alle sieben Jahre sind die Substanzen (sub stantia – darin vorhanden sein) ausgetauscht, mineralisches muss lebendig bleiben, sonst wird es Ablagerung in Form von Gallensteinen, Nierensteinen, Blasensteinen ….

Die ganze Frage von Gesundheit und Krankheit hängt mit dem „Spiel“ zwischen Geist, Seele, Kraft und Materie zusammen. Geisteswissenschaft und Naturwissenschaft müssen sich hier begegnen.

Die Zugänge zur Naturwissenschaft sind vielfältigst beschrieben, aber wie kann man diese unsichtbaren Kräfte wahrnehmen, außer dass man ihre Auswirkungen als Beweis beschreibt?

Das gelingt nur durch die Schulung der Wahrnehmung in Verbindung mit Imagination, Inspiration und Intuition.

Diese Kräfte waren zu anderen Zeiten von den Menschen wahrnehmbar, mancher Heiler mag diese Fähigkeit noch haben.

Die schaffenden Naturkräfte sind wohl Wesenheiten, die Naturgesetze sind ihre Gedanken. Diese Wesen sind – für mich jedenfalls – nicht wahrnehmbar, wohl für die wenigsten Menschen, nur ihre Wirkung und Bewegungskraft kann in uns Imaginationen bilden. Diese sind in vielen Mythen , Märchen, Gedichten und Geschichten beschrieben. Diese Wesen, die gleichsam Diener der Natur sind, haben in vielen Kulturen ähnliche Bilder hinterlassen.

So kann man

in der Erde – Zwerge, Wichte, Gnome oder Trolle
in der Luft – Elfen, Feen
in dem Wasser – Nixen, Sylphen, Meerjungfrauen und Wassermänner
im Feuer – Salamander, Feuergeister finden.

In alten Kulturen wurde von den Wesen erzählt, sie wurden nicht dargestellt um sie nicht zu fesseln.

Je mehr wir den Zugang zu den lebendigen Kräften verloren haben innerhalb unserer Kultur, um so größer ist die Sehnsucht danach. Dies äußert sich in der Sehnsucht nach Magie – Magier sind Weise, die diese Kräfte beherrschen, da sie sie verstehen – und der verniedlichenden Darstellung der Wesen in allerlei Püppchen, die nah am Kitsch einzuordnen sind.

Ein fataler Irrtum liegt da für mich vor allem in der Gestaltung der Jahreszeitentische, denn die Wesen haben natürlich als Diener der Natur einen engen Zusammenhang zur Jahreszeit.

Das kleine Kind lebt noch in der sich permanent wandelnden, lebendigen Atmosphäre in seinem Bewusstsein – es kann ständig alles verzaubern – ein kleiner Magier. Wie viel es von den wirksamen Kräften sieht wissen wir nicht, das ein oder andere Kind erzählte mir schon davon. Wenn wir nun aus eigenem Unverständnis, da wir uns mit den Hintergründen noch zu wenig mit den Wesen durch Imagination, Inspiration und Intuition auseinander gesetzt haben, nach genauer Angabe vielerlei Püppchen herstellen und diese dem kleinen Kind vorlegen, so entsteht hier vielleicht ein Bruch – im Kind. Es will dem Erwachsenen alles glauben, es ist gut und wahr was der Erwachsene tut, aber in sich selber hatte es vielleicht gerade die Erinnerung an den Zwerg, den es vorhin im Garten gesehen hat – und es beginnt seiner eigenen Wahrnehmung Zweifel entgegen zu bringen. Die Wesen in eine „niedliche süße Gestalt“ bis zur toten Perfektion durchstylt, hinein zu zwängen finde ich persönlich sehr fraglich.

Jede/r muss sich dazu natürlich eine eigene Meinung bilden – und das erfordert Arbeit – für die Kinder, für die Natur.

Vielleicht entdecke ich im entlaubten Wald ein Holzstück, welches mit zwei drei Schnitzern – wenn man liebevoll hinschaut – in mir das Bild von Erdgeistern weckt,

vielleicht gelingt es mir im aufsteigenden Morgennebel die schwebenden Sylphen tanzen zu sehen und in mir formt sich ein bewegtes Lied für die Kinder,

vielleicht bannt das Feuer meinen Blick, als würde mir jemand in die Augen schauen und plötzlich fällt mir eine Geschichte zum Feuergeist ein,

vielleicht werden in mir, wenn ich das Leben suche in mir und in der Welt, die Elementarwesen vertraut mit mir und ich darf Bilder erhaschen und mit den Kindern teilen.

Sicher brauche ich dann keine Anleitung mehr für die Gestaltung der Umgebung des Kindes, weil ich gelernt habe im großen Buch der Natur selber Lesende zu werden.

Die Darstellung nach Anleitungen, in vielen Waldorfeinrichtungen auf zu finden, ist in meinen Augen weit entfernt von der ach so lebendigen Pädagogik, jedes Rezept verhindert die Suche, das Experiment, jede Woche neu die Natur in den Kräften zu verstehen.

Vielleicht regt der Text zu Gesprächen an, er soll kein Angriff auf die PüppchennäherInnen sein, aber ein verzweifelter Ruf nach Lebendigkeit in einer Zeit, in der immer mehr Dinge vermaterialisiert und verfestigt werden.

Wie kann ich aber nun trotzdem einen Jahreszeitentisch gestalten, wie finde ich Ideen und Anregungen, wenn ich nicht die Gabe der Wahrnehmung habe?

Ein Zugang kann die Farbe sein, die für die Jahreszeit etwas verbildlicht oder einige Dinge aus dem Schoß der Natur, vielleicht auch einzelne Symbole, wenn sie von mir verstanden sind. Die folgenden Gedanken durch das Jahr sollen nun keineswegs ein neues Rezeptheft sein, lediglich Anstöße für die Gestaltung, die in mir im Laufe der Jahre entstanden sind.

Das neue Jahr beginnt mit der Dreikönigszeit, das Blau der Hirtenkrippe kann vielleicht gegen königliches Weiß als Bild der inneren Klarheit, Reinheit der königlichen Seele, die ganz dem Denken, der Erkenntnis hingegeben ist – und dem goldähnlichen Gelb eingetauscht werden. Vielleicht liegen darauf die Gaben der Könige – eine goldene Kugel, ein silbernes Schälchen Weihrauch und ein kupfernes Kistchen mit Myrrhe – aber vorher ist es sinnvoll zu recherchieren, was diese drei Gaben für uns heute als Mensch bedeuten könnten, denn sonst verwende ich ja wieder nur ein Rezept. Bis dahin liegen vielleicht drei verschiedene Kronen auf dem Tisch, die sich die Kinder gerne leihen können, solange sie ins königliche Spiel versunken sind. Vielleicht steht noch eine rote Rose, in der der Fünfstern als Bild des Menschen in schönster Vollkommenheit verborgen ist, auf dem Tisch.

Bis Mariä-Lichtmess kann die Königszeit gehen – oder es wird Winter am Anfang des Jahres – mit einem kühlen Hellblau zum Weiß, einem Bergkristall als Bild der geronnenen Gestaltungskraft, ein Kiefernzweig oder ein Zweig vom Baumschnitt im Garten, an dem vielleicht ein durchscheinender Faltstern als Bild der Formkräfte der Winterkälte, hängt.

Mitte Ende Februar verändert sich das Licht und die Winterlinge und Schneeglöckchen kommen heraus, so taucht das Braun als Tuchfarbe vielleicht auf, um die Erde als Element darzustellen. Ein Wurzelstück, in dem man mit Phantasie etwas entdecken kann, liegt neben der Vase mit den ersten zarten Frühlingskündern – den Schneeglöckchen. Die braune Erdunterlage bleibt nun sinnvollerweise eine Zeit lang erhalten – draußen beginnen die Bäche intensiv zu strömen, das helle Blau fließt durch das Braun, es plätschert und gurgelt, das Wasser als Informationsträger lässt das Leben hervortreten. Die Haselkätzchen blühen und das erste Grün beginnt sich zu zeigen – ein hellgrünes Tuch kommt allmählich von hinten hervor – Stück um Stück das Braun überziehend. Das leere Schneckenhaus vom Spaziergang mitgebracht, liegt auf dem Grün, die Märzbecher läuten.

Die Karzeit ist für das kleine Kind noch nicht so von Bedeutung, die Natur erwacht mehr und mehr, die Schale mit Ostergras beginnt zu grünen und am Ostersonntag steht eine neue Zeit an, die viel Veränderung mit sich bringen kann. Es ist meine ureigenste Entscheidung, ob ich mit der Natur weiter im Jahreslauf gehe, oder ob ich die Symbole und Bilder der Festeszeit gestalte – immer bedenkend, dass es wichtig ist die Bilder innerlich selber zu füllen.

R.Steiner beschreibt in den Farbvorträgen die einzelnen Farben, so nennt er zB das Grün – die „tote Farbe des Lebens“ und zum Rot – „Glanz des Lebens“. Beide Farben findet man in der Osterzeit auf manchem Altar – warum?

Als die verschiedenen Aspekte des Lebens gehören Tod und Wiedergeburt zusammen, die beiden Farben versinnbildlichen vielleicht den Weg des Menschen, so gehört unter dem Gesichtspunkt ja auch das Ei zu der Bildersprache. Sinnvollerweise taucht es wirklich erst MIT(also NICHT vorher) Ostern auf – eben als Bild des ewigen Lebens durch die Überwindung des Todes. Ebenso kommt dann der Hase, das fruchtbare Tier der keltischen Frühlingsgöttin Ostera wurde als Symbol übernommen, da in seinem Fluchtverhalten die Opferbereitschaft für den anderen liegt. Auch das Licht ist wesentlich, die Morgensonne – immer wieder das erleben von stirb und werde. Manche Menschen hängen ab Ostern täglich ein rotes Ei an einen Strauch – bis 40 Tage um sind und Himmelfahrt gefeiert wird.

Vielleicht zieht sich aber eher das Bild der Natur durch Deinen Jahreszeitentisch, das Frühlingsgrün wird stärker, Käfer erwachen, Tulpen stehen stramm, ein Vogelnest wartet, eventuell hängt ein Wollvogel am Zweig und kleine Eier sind im Nest. Der Vogel als Verkörperung des Elementes Luft, wenn die blühenden Bäume erstrahlen zieht vielleicht ein leiser rosa Schleier über das Grün, die Luftwesen – Elfen und Feen beleben heuer die Wiesen.

Das Leben stülpt sich immer mehr aus – Veilchen und Vergissmeinnicht, Magertitten… Trarira – der Sommer löst den Mai ab.

Im Sommer steht die Lichtqualität im Vordergrund des Erlebens – dazwischen liegt noch Pfingsten, wenn man die christlichen Feste gestalten möchte. Dann kann alles festliches Weiß sein, in Seide vielleicht, mit weißen Kerzen – für jedes Familienmitglied eine Kerze – als Bild des reinen Geistes. Auch die Taube ist ein Symbol des Geistigen, so können viele weiße Wolltauben an einem Zweig hängen. Aber sicher macht das nur Sinn, wenn man sich mit den Inhalten des Festes beschäftigt hat.

Im Juni, wenn das helle Gelb wie die Sonne leuchtet, wollen die Schmetterlinge kommen – die fetten Raupen futtern sich rund um in die Verwandlung durch die Verpuppung zu gehen. Vielleicht steht ein fetter Strauß kieselhaltiger Brenneseln auf dem Tisch, denn dort verpuppen sich viele dieser Luftwesen. Der Schmetterling versinnlicht die Luftwesen als Stellvertreter für die Elfen, als luftiger Sommerkünder.

Warm und wärmer wird es im Jahr, am 24.06. wird vielleicht Johanni gefeiert – der Geburtstag von Johannes dem Täufer. Auch hier ist erst einmal die innere Auseinandersetzung mit dem Bild notwendig, was bedeutet es für uns heute – was für mich, welches Bild liegt darin für die Kinder.

Eventuell steht der Hochsommer für mich mehr im Vordergrund – die vielen strahlenden Gelbtöne, Bienenwaben und ein Töpfchen Honig helfen uns an die fleißigen Sonnenhelferinnen zu denken, ohne die der nächste Schritt in der Natur, das Fruchtbringen – nicht möglich wäre. Die Wärme des Sommers müssen wir ganz in uns aufnehmen, die Wärme bindet unser Ich an unsere Leiblichkeit, sie ist Voraussetzung für die Geburt in der Wintertiefe.

Die Natur wird nun satter Grün, ein Blau belebt das Farbenspiel der Sommerfülle, bunte Blumen stehen in der Vase und die ersten Kräuter hängen zum Trocknen.

Im August beginnt deutlich die Reifung, das Gelb verfärbt sich zum warmen Orange, die ersten Gersteähren zieren den Tisch. So verwandelt sich der Jahreszeitentisch mehr und mehr zum Erntetisch, zum warmen Orange kommen Rot- und Brauntöne, das Blau hat sich mit dem Sommer zurückgezogen, das Grün wird immer dunkler. Die Blumenpracht leuchtet üppig – bis zu den bunten Astern. Nun kommen die Ähren der anderen Getreidearten dazu, die heraus gepuhlten Körner ruhen vielleicht in einer kleinen Holzschale, eine große Schale heimischen Obstes oder das Gemüse aus dem Garten prangt auf dem Gabentisch- manchmal huscht eine kleine Maus vorbei!

Am 29.09. ist das Michaelsfest, wenn man den Erntesegen ablösen will. Ein kräftiges Rot als Sinnbild für die Muteskraft, unsere Innere Wärme und das komplementäre Grün können nun als Bild des inneren Gleichgewichtes die vorherrschenden Farben sein. Oder dies Bild wird durch die Waage versinnlicht, ein Stück Meteoreisen liegt im Rot – oder gar ein goldenes Schwert. Zu jeder Zeit können natürlich eine Kunstpostkarte und eine Kerze den Tisch schmücken – aber oft ist weniger mehr, der Tisch sollte nicht zur Dekoration werden!

Nach der Michaelizeit, oder Erntezeit beginnt der Herbst, die ersten Kastanien sind zu finden, goldgelb oder ocker-orange werden die Blätter, die blanke Erde wird wieder sichtbar, vielleicht sogar wieder ein kleines geschnitztes Holz wie im Februar, denn die Erdgeister werden wieder aktiv nach innen ziehen. Auch ein violetter Amethyst kann uns auf die Wesen hinweisen.

Und schon steht die Martinszeit vor der Tür – wenn man das mit den Kindern feiern möchte. Das Violett zieht über das Braun, die Andacht, das Hüten des inneren Lichtes bildet die Farbe mit ab, ebenso die schlichte Laterne, in deren Innerem eine echte Kerze leuchtet. Ein Stück Holz vom Spaziergang ist vielleicht Bild der Sterbevorgänge, die mehr und mehr zu erleben sind, die Trennung von Leben und Materie, wir Erwachsenen feiern viele Feste, die mit dem Tod zu tun haben, das Kind, welches erst einmal ins Leben hineinwachsen möchte, braucht nicht mehr Bild für diese Prozesse, denn ihm ist das Stehen auf der anderen Seite nichts Furcht- einflößendes.

Und dann endlich beginnt die Adventszeit, die insofern schwer zu gestalten ist, dass es sinnvoll ist der Ankunft langsam und behutsam entgegen zu gehen. Adventere-Ankunftszeit, das klare, warme Blau, welches viele alten Maler benutzt haben um den Marienmantel darzustellen, bedeckt den Tisch. Oft erlebt man, dass der Jahreszeitentisch behutsam in kleinen Schritten wächst, so kann in der ersten Woche das Mineralreich auftauchen, in der zweiten Woche das Pflanzenreich, dann das Tierreich… Es kann aber ja auch die Maria jeden Tag, begleitet von einem Engel, weiterwandern, oder wenn ich wirklich gänzlich auf die figürliche Darstellung verzichten will, liegt jeden Tag ein neuer Stern, der vorher am Hintergrund prangte, auf der Erde (Tuch). Oder auf dem blauen Tuch steht ein großer Tannenzweig und täglich hängt ein neuer kleiner Strohstern daran. Wie es mir gelingt die Schöpfungsgeschichte erlebbar zu machen hängt mit meiner inneren Auseinandersetzung zusammen, auch hier empfinde ich es als sehr wichtig nicht üppig Traditionen zu gestalten, ohne sie zu hinterfragen. Auch ist mir oft die Frage – wenn die Gestaltung im Kindergarten schon so stark ins Bilderleben rückt – ist dann nicht grade eine andere Form für Zuhause sinnvoll – oder gibt es unzählige Abbilder Marias – so wie es auch hunderte von Weihnachtsmännern gibt?

So wandert vielleicht nur ein herrlicher Stern jeden Tag ein Stück weiter der Erde, dem angedeuteten Stall zu. Oder der Adventskalender ist eine Schale, in der täglich etwas für die Landschaft bereitliegt. Unendlich sind die Möglichkeiten, keine Rezepte gilt es zu verteilen, sondern anzuregen, für sich, seine Kinder oder die anvertrauten Kinder das Stimmige für dieses Jahr zu finden. Wiederholung tut dem Kind zum Wiedererkennen gut – aber immer wieder Belebtes durch mein Bemühen hat auch eine große Wirkung.

Und schon ist wieder ein Jahr vergangen, die Königszeit beginnt vielleicht wieder Gestalt anzunehmen.

Dies sind alles nur Anregungen, die jeder Mensch aus der eigenen wachen Beobachtung und Auseinandersetzung mit den dahinterliegenden Inhalten finden kann. Wichtig ist es in meinen Augen, dass es nicht starr, fest, gar dogmatisch oder zum Rezept wird – es geht um die Versinnbildlichung von Prozessen, diese sind in stetem Fluss durch das Jahr. Das heißt in meinen Augen eben auch, dass der Jahreszeitentisch keine Dekoration im Raum wird, er stetige Pflege braucht und nicht „altarähnliche“ Eigenschaften erhält – die Kinder können mit gestalten, wir verwandeln ihn vielleicht miteinander. Er ist Bild meiner inneren Beschäftigung mit den Prozessen, den Jahreszeiten und den darin liegenden Festen. Kopiere ich lediglich Bildvorlagen anderer, ohne mich auseinander zu setzen wird es vielleicht „Waldorfdeko“, „Waldorfkitsch“ im Wettbewerb in jedem Raum größer oder „perfekter“ – damit verfehlt er in meinen Augen genau sein Anliegen.

Aber jeder Mensch findet seinen eigenen Zugang und Umgang – dies sind eben ganz meine eigenen Gesichtspunkte zu dem Thema. Auch wenn ich gerade zum Ende hin recht scharf schreibe – vielleicht findet ja mancher Mensch den Zugang, weil er die Gestaltung über eine Zeit bei anderen Ablauscht und dann in dem Tun Fragen aufwirft und weiter sucht – da kann es doch eigentlich kein RICHTIG oder FALSCH geben – eben Unterschiedliches, und das entspricht der Pädagogik.

Zur Autorin:

Almuth Strehlow, Dozentin am Rudolf Steiner Institut Kassel seit 1992

Ausbildungen : Erzieherin, Psychomotorikerin, Künstlerische Therapie, Master in Futher Education, Education for Adults and Schoolmanagement

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