ErzieherInnen – Ausbildungs-Offensive

Ausbildungswege zur Waldorf-PädagogIn

Ausbilden – betrachte ich dies Wort, so beinhaltet es doch, dass ich etwas in mir trage, was sich nach Außen zeigen will. Ich trage also ein Bild in mir – ein Bild meines Menschseins, welches sich entfalten möchte – ich will mir selber immer näher kommen. Nur dann kann ich die Ermöglicherin werden um Dir – Kind, einen Raum zu schaffen, in dem Du zu Dir selber findest. Das erscheint mir die wesentlichste Aufgabe auf dem immer aktiven Weg.” (Jule, 2018)

Innerhalb der nächsten Jahre werden sehr viele neue Stellen ausgeschrieben, viele KollegInnen werden in den wohlverdienten Ruhestand gehen, jedem Kind ist ein Platz versprochen und es werden starke Jahrgänge in die Einrichtungen strömen. Dringend sollte auch, nicht nur im Zuge der Inklusion, über einen erweiterten Betreuungsschlüssel nachgedacht werden, da die Kinder immer mehr Beziehungsverlässlichkeit benötigen. Der Ausbildungsweg zur WaldorfpädagogIn, zur ErzieherIn mit dem Schwerpunkt Waldorfpädagogik kann sehr unterschiedlich verlaufen.

Vorrangig ist es ein innerer Weg, denn in dem ich aktiv im Bereich Bildung tätig werde, bin ich aufgerufen mich mit einem Bild vom Menschen und der Welt auseinander zu setzen.

Wie kann ich – meine eigene Biografie reflektierend – Entwicklung verstehen? Wie kann ich die Einflüsse der Mitwelt – der soziokulturellen Umgebung, der Natur, der Sprache und viele andere Elemente – erkennen und dazwischen sehen lernen, welcher Notwendigkeiten das Kind als Individualität für seine Entwicklung bedarf?

Vor 100 Jahren begann der Weg der Waldorfpädagogik – der Fabrikbesitzer Emil Molt bat den Philosophen und Naturwissenschaftler Rudolf Steiner um Mithilfe. Er wollte für die Mitarbeiter seiner Waldorf Astoria Fabrik eine Pädagogik begründet wissen, in der jedes Kind – das Fabrikarbeiterkind und das Kind des Direktoren, des Buchhhalters, …, die gleichen Chancen zum Lernen erhält. Für ihn war es klar, dass jedem Kind eine ganzheitliche Pädagogik zustehen muss, damit sich eine gesunde Gesellschaft in Verantwortung bilden kann.

In vielen Vorträgen und Schriften wird diese Pädagogik bis heute immer weiter entwickelt, den Grundstein legte Rudolf Steiner mit seinen Anregungen um sich ein erweitertes Menschenbild zu erarbeiten.

In den Ausbildungen ist dies der “Humus”, das Fundament, mit dem wir uns suchend und forschend auseinander setzen. Wach die Phänomene des Lebens zu beobachten wird geübt um daheraus Fragen zu entwickeln, deren Antworten in verschiedenen Richtungen zu finden sind. Manchmal kommen wir selber zu Erkenntnissen, manchmal finden wir Antworten in der neuesten Forschung, manchmal in Hinweisen von Rudolf Steiner oder nachfolgenden Autoren – am wesentlichsten jedoch ist nach wie vor das suchende Gespräch.

Um eine ganzheitliche Pädagogik umsetzen zu können, ist es wichtig die Erfahrungen darin selber zu genießen. So finden sich in den Ausbildungen, jeweils unterschiedlich gegriffene, Triale Lernansätze., d.h. Theorie, Kunst und Praxis werden miteinander verknüpft.

Der anspruchsvolle Beruf der ErzieherIn erfordert vielfältige Kompetenzen, an denen ein ganzes Leben zu arbeiten ist. Lebenslanges Lernen, als geniale menschliche Eigenschaft am eigenen Leib ohne Druck zu erfahren, ist für zukünftige PädagogInnen, die kleinen Menschen EntwicklungsermöglicherIn werden wollen, notwendig. Selbsterziehung ist innerhalb der Waldorfpädagogik ein grundlegender Faktor, da wir uns als Menschen nach Menschen richten, die lebendig in Entwicklung sind und aktiv die Mitwelt gestalten wollen. Dafür braucht es innerhalb der Ausbildungszeit Freiräume, Anregungen, achtsame Reflexion in MentorInnen-Gesprächen sowie in Lerngruppen. Das selbstgesteuerte Lernen, also das aktive Mitgestalten der Lerninhalte und Methoden befeuert die intrinsische Motivation – nur diese ermöglicht den Lernenden in sich zu spüren, dass der Mensch gleichsam einen eigenen Lerntrieb und Verbesserungswillen hat.

Aus der Entwicklungspsychologie wissen wir, dass das kleine Kind durch stete Wiederholung, mit vielem Misslingen den Mut hat, alle Schritte weiter zu üben, permanent seine Frustrationstoleranz erweiternd und Selbstvertrauen erfahrend. Diese Art der Selbstbegegnung in Selbstwirksamkeit stärkt die Persönlichkeit, wenn ihr Mut und Vertrauen entgegen gebracht wird. Diese Art zu lernen bedeutet, dass in der Umgebung dem Entwicklungsdrang des anderen vertraut wird. Dies ist für die Lernenden essentiell; wie kann eine Lernkultur entstehen, in der die Fehlerkultur weiterhin integriert ist?

Für die zukünftigen ErzieherInnen ist die Umsetzung der Inklusion eine wesentliche Aufgabe, die Vorbedingung dazu ist es, sich vergleichendes und bewertendes Denken und Fühlen abzugewöhnen – Unterschiedlichkeit, Individualität, Eigenständigkeit, …, im Team wahrzunehmen und damit wertschätzend umzugehen, lernt man am Besten in der Ausbildung.

AUSBILDUNGSWEGE

FACHSCHULEN in Berlin, Dortmund, Kassel, Mannheim und Stuttgart bilden in 3-4 Jahren zur staatlich anerkannten ErzieherIn mit dem Schwerpunkt Waldorfpädagogik aus. Die Ausbildungen sind Vollzeitausbildungen, Praxis-integrierte Ausbildungen oder Teilzeit Ausbildungen.

WALDORF-ERZIEHERINNENSEMINARE bilden in 2-3 Jahren fertige ErzieherInnen mit 650-800 h Unterricht weiter aus, in Berlin, Dortmund, Dresden, Hamburg, Hannover, Köln, Mannheim, München, Rendsburg und Stuttgart. In Jena gibt es ein Fernstudium.

HOCHSCHULAUSBILDUNG / BA Vollzeit oder Teilzeitstudium zur Kindheitspädagogik bietet die Alanushochschule in Alfter/Bonn an. Dort kann auch der MA Education studiert werden, um innerhalb der Ausbildungen tätig zu werden.

mehr zu den Ausbildungen finden Sie hier:
https://www.waldorfkindergarten.de/ausbildung/ausbildungszentren/

Schreib einen Kommentar

Rudolf Steiner Institut | Wilhelmshöher Allee 261 | 34131 Kassel

Telefon 0561 930 88 30 | Fax 0561 930 88 34

E-Mail: info@steiner-institut.eu