Ein Versuch Spiel und Organentwicklung in der frühen Kindheit zu verstehen (A. Strehlow)

eingestellt:Di. 08.05.2012
Das Spiel – eines der wesentlichsten Merkmale kindlichen Daseins – ist von einer Reihe von Umständen heute verdrängt. Das freie Spiel scheint vom Aussterben bedroht, Spielräume und freie Spielzeiten verschwinden weltweit und wir unternehmen viel zu wenig um Recht auf Spiel zu schützen – vielleicht weil wir es nicht verstehen ! ?

Die vielerorts auftretende pädagogische Besessenheit die Kinder nach den Zielen der Erwachsenen zu formen lässt vergessen und übersehen die wunderbare Einzigartigkeit jeden Kindes das sich im freien Spiel äußert. Es zu erkennen, wahrzunehmen ist unsere Aufgabe. Woher nehmen wir uns das Recht, anmaßend zu meinen, dass wir wissen was die Kinder für ihr weiteres Leben, für die Gesellschaft von morgen, an Fähigkeiten, oder gar an Wissen brauchen ?

Wissen die Kinder, die ins Jetzt geboren werden nicht ahnend viel besser welche Fähigkeiten sie sich erüben wollen für die Aufgaben von Morgen – wissen sie nicht viel besser, welches ihre Ziele sind ?

Diese Gedanken wenden sich eher an die Menschen, die neue Bestimmungen erfinden, aus Unverständnis der Kindheit. Aber getrieben aus Verzweiflung mute ich sie Ihnen, lieber Leser auch zu, da ich das Gefühl habe, dass wir mit unserem Wissen noch zu sehr in einer leisen Nische bleiben und noch zu wenig in das Gespräch einsteigen.

Im freien Spiel kann man staunend beobachten mit welcher Ausdauer, Konzentration und innerer Aufmerksamkeit sich das Kind mit der Welt, ihren Gesetzmäßigkeiten und den Bewohnern der Welt verbindet, sie untersucht und bestaunt – und sich daran bildet.

Rudolf Steiner wies uns darauf hin, dass dieses Bilden zuallererst vor allem leiblich geschieht.

Der leibbildende Aspekt des Körperspiels ist vielfältigst in seiner Bedeutung im Aufrichteprozess, in der Überwindung der Reflexe, bis zur Ausgestaltung des Gehirns beschrieben.(Hüther, Spitzer u.a.) Der Skelettaufbau, die Haltungsschäden, die feinsten Synapsenverbindungen und der jeweilige Zusammenhang zu Lernschwierigkeiten ist mittlerweile erforscht. Aber dieses unser `oberstes` Organ ist ja nicht das Einzige was sich in den ersten Lebensjahren ausgestaltet. Der ganze vererbte Leib muss individualisiert werden und bis in die feinste Struktur ergriffen werden. Spielen muss das Kind, das sich in Ruhe entwickeln darf, nicht lernen, es ent-wickelt es aus sich selber. Wenn es ausgiebig seinen Körper, diese neue eigene Welt erkunden durfte, erobert es mit größter Aufmerksamkeit die Welt um sich herum- das Gegenstandspiel entfaltet sich.

Im Folgenden möchte ich versuchen unsere weiteren Organe – eher bildhaft – zu verstehen Es ist eine physiologische Betrachtung eines Laien (angeregt in Gesprächen mit einem Arzt) und sicher wird der interessierte Leser das Geschriebene nur als Anregung nutzen können um daran weiter zu arbeiten. Es ist der Versuch den Prozess, die Bewegungsgeste zu verstehen, um daran Gedanken an das Verhalten, die seelische Bewegungsgeste zu knüpfen. Es liegen uns viele Hinweise R.Steiners vor, die immer wieder beschreiben, dass sich in den ersten Lebensjahren der physische Leib als Instrument für das weitere Leben gestaltet. Die grundlegende Frage meines Versuches ist eben, ob sich die Bewegungsgesten der Organe im Spiel wiederfinden lassen? Ob das Spiel die inneren Prozesse spiegelt, ob wir in der Beobachtung des Spiels eine Ahnung der Bildekräfte erhalten? Und um die Brisanz vor Augen zu haben : Was passiert auf dem Weg der Inkarnation einer Individualität, wenn das freie Spiel mehr und mehr verschwindet?

Nehme ich die Nachahmekraft für wahr, so müsste eine weitere Ausarbeitung sich mit den gestaltbildenden Kräften in der vorbildenden Umgebung des Kindes befassen.

Schaut man die Organbildung in der Embryonalzeit an, so ist alles von oben nach unten ausgerichtet um sich dann in die Raumesrichtungen einzugliedern. In allen Organen schaffen die sieben Lebensprozesse in unterschiedlicher Intensität, wie unsere Person (personare-hindurchtönen) auf diesem Leibesinstrument spielt (Ton – Tonus – Muskelspannung) hängt ganz stark von unserer Atmung ab. In der Art, wie das Geistig-Seelische den Leib ergreift, durchatmet, formt es sich sein Leibeshaus.

Die Embryonalhüllen werden mit der Geburt verlassen, die notwendigen Umhüllungen für die Reifezeit fehlen heute meist, vor allem auch die Arbeitshüllen ( die in der Umgebung arbeitenden, gestaltenden Vorbilder) und der schöpferische Umgang mit den Elementen.

Ganz besonders aber die ruhige Atmosphäre, damit sich das freie Spiel entfalten kann.

Lunge
Mit dem ersten Atemzug entfaltet sich die winzige Lunge, und gleichzeitig atmet der Säugling noch 80 % über die Haut.

. > Das Kind kann noch nicht innerlich richtig atmen, und die Erziehung wird darin bestehen müssen, richtig atmen zu lehren<. (5) Indem immer stärker die Leibesgrenze über den Tastsinn als Grenze zur Welt gespürt wird bildet im aktiven Aufrichteprozess sich die Lunge als Innenraum-atmung aus. Die Lunge ist kühl und bildet einen weitverzweigten Innenraum, der wie in lauter Kugeln endet. Die Wände der Alveolen müssen hart und fest werden, Innenraum bilden, sodass der Hohlraum Wohnstätte bildet. Das kann man auch in der Ausbildung der Stirnhöhlen, der Nebenhöhlen und der Kiefernhöhlen beobachten, wenn das Kind schulreif wird. Dieser festumhüllte Innenraum ist Grundlage um Kontur und Struktur bis in die Gedankenbildung zu bringen, das kann jeder erleben, der an diesen Orten eine Entzündung hat. Aber der Raum darf auch nicht zu fest sklerotisieren, die verdichtende Kraft nicht zu früh einsetzen. In diesem Wandbilden entsteht im Bewusstsein deutlich der Gegen-Stand, sodass Du- und Ich- erkennen mit der Durchatmung und dem Erleben der äußeren Grenze zusammenklingt. >Diese seelische Seite der Lungenwirksamkeit wirkt sich bei den Zwangsgedanken und bei den Zwangserscheinungen überhaupt in pathologischer Weise aus (z.B.Magersucht) <. (4) Durch die Betrachtung der Pathologie kann man die Organwirksamkeit oft besser erkennen. Das immer gleiche Gestalten der Räume gibt dem noch im Umkreis ausgebreiteten Wesen des Kindes den Halt, den es zur Organbildung braucht, die Ordnung. Das Kind kann voll Vertrauen durchatmen, bis es sich aus der Erdenschwere erhebt – bis es zur Bildung des Fußgewölbes nach unten atmet Es spielt diesen Innenraum intensiv aus, indem es Hereinfüllen und Entleeren mit großer Intensität bearbeitet ( tatnen nach Rossecker) um immer freudevoller selbstständig Innenräume zu erobern und Grenzen zu erleben. Wie jedes Kind den Innenraum durchspielt ist sehr unterschiedlich. So konnte ich bei einem meiner drei Kinder erleben, dass dieses Innenraum gestalten ganz viel Raum einnehmen musste und kein Schrank eingeräumt blieb, jeder von innen erkundet wurde. Dieses Kind hat es auf seinem ganzen Weg nicht leicht in einen ruhigen tiefen Atem zu kommen. Bei anderen Kindern sieht das Spiel mit dem Innenraum anders aus, stundenlanges ein – und umfüllen von Kastanien, sich unterm Tisch verbergen, mit Tüchern ein Haus bauen, sich im Sand einbuddeln, die Wiese runterkullern, alles betasten...Bis in der Kinderzeichnung das auf der Erde ankommen sich ausdrückt im Hausbild, aus dem Fenster schaut jemand heraus! Mit diesem Durchatmen, diesem im Rhythmus halten und lösen hängt das Zeiterleben engstens zusammen. Das wird deutlich, wenn im dritten Jahr sich die Hüftestellung verändert, sich dabei die Wirbelsäule weiter aufrichtet, die Atmung sich vertieft, und das Kind morgen, heute und gestern versteht - die Trotzphase beginnt. Viele Bezüge zu den Sinneswahrnehmungen ließen sich hier anschließen, das würde aber den Rahmen dieses Versuches sprengen. Bis zur Atemreife dauert die Entwicklung noch an, der seelische Bezug zu den Organen wird immer sichtbarer. Auch Stress, Hetze, unrhythmische Lebensgestaltung, Unsicherheit der Erwachsenen und daraus resultierende Dogmen und vieles mehr gestalten mit. Das Organ wird verdichtetes Erleben, bzw. verdichtetes Seelenleben, an dem sich später das Seelische spiegelt. >Die Seele gibt erst ihr Schaffen an den Körper hin, um, nachdem sie diesem Genüge getan hat, sich in freier Geistigkeit zu offenbaren. Und diese Entfaltung des Seelenwesens beginnt schon mit dem Denken selbst, das sich aus der Sinneswahrnehmung heraus ergibt. Nimmt man einen Gegenstand wahr, so tritt schon die Seele in Tätigkeit. Sie gestaltet den entsprechenden Körperteil so, dass er geeignet wird, in dem Gedanken ein Spiegelbild des Gegenstandes zu entfalten. In dem Erleben dieses Spiegelbildes schaut dann die Seele das Ergebnis ihrer eigenen Tätigkeit an. < (10) Inwieweit gehört das Geistige, das Seelische durchdringend, ganz unmittelbar zu dieser Wirksamkeit? Wer führt das kleine Kind dazu, den Prozess Innen – Außen mal mehr, mal weniger intensiv zu spielen? Herz Betrachtet man den werdenden Menschen, so entsteht zuerst der Blutstrom außerhalb, rhythmisch pulsierend. Aus diesem Flüssigkeitsstrom, der nach innen wächst bildet sich das Herz. Der Beweger der quergestreiften Herzmuskulatur (eigentlich eine `willkürliche` Muskulatur) ist das Blut, der Antrieb für die Bewegung liegt deutlich im Geistig –Seelischen. Dies Phänomen kennen wir in wacher Selbstwahrnehmung sehr gut, antwortet das Blut und die Herztätigkeit doch unmittelbar auf unsere Seelenstimmungen (Angst, Freude, Mut, Scham, Zorn...) oder auf unseren kraftvollen Willensimpuls, um ein Ziel zu erreichen (Enthusiasmus –der Gott in mir?). Durch den ersten Atemzug, den Einzug des Geistig – Seelischen, schließt sich der embryonale Kreislauf, durch den Verschluss entsteht eine deutliche Trennung, arterielles Blut und venöses Blut stehen sich gleichsam gegenüber! Das Blut trägt unsere `persona` durch den Leib und ist in steter Bewegung. Es spiegelt unseren Seelenzustand, es wird langsamer, zähflüssiger, fester oder schneller, regsamer, lebensvoller, dünnflüssiger, je nach dem, ob wir eher in der abbauenden Nerven-Sinnesfunktion oder der aufbauenden Stoffwechsel-Gliedmaßenfunktion stehen. (Herzinfarkt, Koronarsklerose – Herzinsuffizienz) >Jedes Organ reguliert in feiner Weise nach dem wechselnden Bedarf die Menge des ihm zufließenden Blutes <. (2) Die Weite der Gefäße richtet sich nach dem Blutfluss, die vom empfangenden Organ bestimmt wird – in der Entwicklung der ersten Lebensjahre. Das Zusammenwirken aller Organe baut somit das arterielle und das venöse Gefäßsystem. Die Seelenzustände der Menschen, die das Kind umgeben, beeindrucken dieses sehr stark – die Ansprache, vor allem aber die Haltung dem Kind gegenüber und die sinnvoll, geordnete Handlung der Menschen in seiner Nähe. Und diese Eindrücke werden Abdrücke im Organismus, im Herzen des Kindes, was sich oft erst in der Mitte des Lebens zeigt. Das Blut trägt all diese Eindrücke bis in die Peripherie des Leibes und trägt sie wieder zum Zentrum. Die Eindrücke werden verinnerlicht, drücken die Engländer es nicht richtig aus, indem auswendig lernen – to learn by heart - heißt. Denn wenn ich eine Wahrnehmung habe, konzentriert wahrnehme, mich erwärmt habe für das Wahrgenommene, so wird erst das Blut bewegt, es wird bis an diese spiegelnde Gehirnregion geführt und nur durch diese Erwärmung/Aktivierung habe ich die Möglichkeit es mir zum Bewusstsein zu bringen. Das aber braucht auch Ruhepausen und Zeit – eben in der Lebensgestaltung ein rhythmisches Pulsieren von Aktion und Ruhe, sodass mein Herz mitkommen kann, ich ganz dabei bin. Dieses in aktiver Bewegung sein und ruhen findet intensiv im Körperspiel, in der Bewegungsentwicklung statt. Darf das Kind, sich selbst überlassen, sich spielend bewegen, so verändert es etwa alle 1 ½ Minuten seine Position und lauscht dieser Bewegung in Ruhe nach, in der Ruhezeit kann Bewegung Leib werden, sich physisch bilden. Begeistert strahlen einen die Kinderaugen an, wenn beim Wickeln das Tuch vom Kind vor das Gesicht gezogen wird und es wieder verschwindet – weg – da! Die Trennung von mir zu dir wird eifrig mit begeistertem Strampeln begleitet, ausgekostet. Wir werden des Spiels eher müde als das Kind, ebenso geht es bei „wer kommt in meine Arme“. Das Verströmen in die Peripherie und jauchzend zum Zentrum eilen, völlig an die Bewegung hingegeben, ist für jedes Kind ein Ankommen-Erlebnis – ein zu sich kommen, als ICH empfangen zu werden. Hand aufs Herz – die Zusammenhänge von Gewissensbildung, moralischer Entwicklung oder dem in letzter Zeit oft genannten Herzdenken, mag sich jeder Leser selber knüpfen. Niere In der Embryonalzeit beginnt sich die Vor-Niere in der Halsgegend zu bilden, sie wandert nach ganz unten um wieder hinauf an den endgültigen Ort zu wandern. Die Lunge und die Niere hängen beide stark mit der Atmung zusammen, die Lunge mit dem Lebensstoff – Sauerstoff und die Niere mit dem Licht/Luftstoff Stickstoff. Die Niere reguliert das Luftelement und scheidet Flüssigkeit aus. > Die in der Flüssigkeit gelösten Stoffe, deren Zusammensetzung die Niere reguliert, folgen Luftgesetzmäßigkeiten. Der Hauptbestandteil der Luft ist Stickstoff, und gerade die Stickstoffhaltigen Substanzen (Harnstoff und Harnsäure) sind es, welche durch die Niere ausgeschieden werden < (4) Die Niere sondert aus, sortiert, differenziert, befragt kritisch die Stoffe, die mit dem unendlichen Fluss(170l täglich) durch sie fließen. Nur etwa 1- 1 ½ l werden, „auf das wesentlichste konzentriert“ ausgeschieden. Die schon erwähnte Hohlraumbildung findet auch hier statt, in den Nierenkörperchen, dem Nierenbecken und der Blase. Schaut man die Niere des Neugeborenen an und die des Erwachsenen so wird deutlich, dass die Läppchenstruktur sich erweitern muss, die Nierenwand muss sich fest und haltgebend erst entwickeln. Das geht mir an die Nieren >Jeder Ärger stoppt die Nierenfunktion, jedes Luftanhalten die Durchblutung. Ein Schock kann zu Nierenversagen führen, unbewältigte Konflikte wirken ebenso wie Fremdstoffe, die man nicht aussondern kann<. (4) Die empfindsame Niere reagiert bei Angst, Stress, Druck...sofort mit Alarmreaktionen, was schnell zu Erschöpfung, weiterhin zu Krankheit führt, die vielleicht erst Jahre später ausbricht. Sinnesüberflutung und Hektik im Kleinkindalter prägen die Niere, am intensivsten wohl frühkindliche Traumata. Die ´Farbigkeit` der Welt geht verloren, jeder Eindruck hinterlässt auch hier einen Abdruck! Bild: Atlas der Anatomie des Menschen / Netter Tafel 321 Im Spiel des Kindes finden wir ja nicht nur das ausgiebige Umhüllen, das Wandbauen, sondern auch die anderen Tätigkeiten, die die Niere innerleiblich zu vollziehen übt. Wenn der ´Pinzettengriff` entwickelt ist und die Hand-Augenkoordination so weit fortgeschritten ist, dann entdeckt das kleine Kind jeden Fussel. Mit der ersten antipatischen Geste –die Innenhand wendet sich nach außen – beginnt es die kleinsten, feinsten Stoffe zu erkennen. Später sortiert es eifrig und legt auch gleiches gern in Reih und Glied. Dies bleibt bei einem Menschen mit Autismus gleichsam ein außen und innen stehen bleibender Prozess, in der steten Wiederholung ringt der Mensch mit Autismus eigentlich darum sich daheraus weiter zu entwickeln (Aussage einer Betroffenen). So kann man beim gesund sich entwickelnden Kind das Spiel als Prozess des immer besser Verdauen- könnens, des Sortierens, des Differenzierens betrachten. Dieser Prozess zeigt sich ja auch im eifrigen Fragen stellen des Kleinkindes, welches ja keine erklärenden Antworten erwartet, sondern das Fragen, das sich Distanzieren, darin übt. Auch kann man diesen Prozess, besonders bei einigen Kindern, beim Essen beobachten – mit großer Aufmerksamkeit und allen Sinnen, oder beim Herunterschlingen, oder beim sorgfältigen Sortieren auf dem Teller... Ein solches Kind, welches intensiv den Nierenprozess im Spiel spiegelte, konnte ich im Kindergarten beobachten. Fast zwanghaft wurde stetig die Ordnung im Kaufladen überwacht, beim Müsliessen mussten die Flocken neben dem sortierten Obst liegen und die Milch stand im Schnapsglas daneben. Es überschaute mit den Händen in den Taschen das Spiel der anderen und kommentierte und hinterfragte es. Über ein Jahr war der kleine Beobachter dann mein Geburtstagskuchen- Backhelfer und am Maltag der Glasspüler der Farbgläser( neben vielen anderen Tätigkeiten), und allmählich war der verbindende Aspekt, das Fließen so verinnerlicht, dass das Spiel in neuen Formen zaghaft probiert werden konnte und das Sortieren vielleicht der Niere überlassen werden konnte. Magen- Darm Eigentlich kann man ja fast sagen, dass durch diesen langen Raum in uns die Außenwelt ´hindurchfällt`, und wir an ihr ablesen, wie wir unsere Leibesstoffe uns bilden. Wir töten die Stoffe ab und beleben sie neu. Durch den Speichel, die Magensäure...zerspalten wir die Stoffe und wehren uns gegen sie. >Der Magenkörper besitzt drei statt zwei Muskelschichten…er dient als Reservoir, das sich dehnen und vergrößern kann, ohne schon die eigentliche peristaltische Darmmotorik zu entwickeln< (5) Erst im zweiten Magenabschnitt findet Beförderung statt, der große erste Teil nimmt also nur auf – trägt. Stellt man sich deutlich vor Augen, dass unsere Muskulatur in ihrer An- und Entspannung ganz stark mit der Ein- und Ausatmung zusammen hängt, dann kann man die Bildung der unterschiedlichsten Magenformen ansatzweise verstehen. Wie schnell es uns sauer aufstößt, oder wie schwer es ist in Gang zu kommen hängt später sicher stark mit unserer Leiblichkeit zusammen, die wir uns in den ersten Lebensjahren gebildet haben. Bild : Atlas der Anatomie des Menschen / Netter Tafel 267 Im Dünndarm wird die Nahrung bis in ihre Elementarteilchen zerlegt, der Brei wird stetig weiterbearbeitet , bewegt, zerteilt, um in der Darmwand den faszinierenden Prozess des Stoff-wechselns zu vollziehen. Wir nehmen die Information (informare – in Gestalt bringen) der Außenwelt auf um daraus eigenen Stoff, eigene Gestalt zu bilden. Das Untersuchen, Schmecken und Einspeicheln, und auch das Zerlegen bis in die kleinsten Einzelteile nimmt viel Raum ein im kindlichen Spiel. Der Geschmack für die Welt erwacht mehr und mehr (Was aber nehme ich wahr, wenn ich immer einen Stöpsel im Mund habe?). Aus dieser unersättlichen Begierde ´alles meins` wird ganz allmählich, aber ganz aus dem Kind heraus, das Abwarten können. Aus dem Abschmecken wird mit zunehmender Bewegungsfähigkeit das ´Stoff bewegen`- der Stuhl wird wieder und wieder durchs Zimmer geschoben, der dicke Holzklotz wird – für unsere Augen ganz ohne Sinn – von hier nach dort geschleppt. Je mehr die Seele den Leib als Haus von innen erlebt, füllt, desto intensiver kann sie die Eindrücke der Welt verdauen. Dieser Prozess des Ausreifens des Magen-Darmtraktes dauert bis zur Erdenreife (Pubertät). Leber - Galle - Milz Bei jedem Organ fällt es schwer das Wesentlichste, von dem was ich verstanden habe, in Kürze zu schildern, sodass ein Bild des Organs, des Organismus entsteht. Am schwersten wird es mir aber bei der Leber. Beim Embryo nimmt die sich bildende Leber einen verhältnismäßig großen Raum ein – der Beleber, so könnte man das Organ besser nennen. Dieser Ofen, der uns erwärmt, eher befeuert, nimmt eine dominante Rolle im Stoffwechselgeschehen ein. In ihr wird stetig neu belebt, die alten, durch die Milz zerstörten Blutkörperchen werden zu Galleflüssigkeit verwandelt. Die durch den Lichteinfall zerstörten Zellen in der Retina werden zur Leber gebracht und wieder belebt...u.v.m.... Die Leber muss stets anpassungsfähig, aber stabil in ihrer Aktivität sein – dieses Laboratorium (Stoffumwandlungsraum) muss ständig entscheiden, was mit den Stoffen geschieht, wohin sie geführt werden, wie viel z.B. vom Zuckerspeicher geholt werden muss etc. Wird 2/3 der Leber durch eine Operation entnommen, so wächst sie wieder nach. Genaueste Unterscheidung – Entscheidung findet in der Leber statt um jedem Organ ´seine Zellen` zukommen zu lassen. Der Prozess der Leber(wie bei den anderen Organen auch im ganzen Leib ausgebreitet) breitet sich vom Geschmacksinn, der in seiner Wahrnehmung schon zur Leberaktivität aufruft, bis z.B. in den Zuckerstoffwechsel der Muskeln aus. Die Bewegungsgeste ist stetig von Außen nach Innen, wieder nach Außen... stetiges Gespräch der Abbau- und Aufbauprozesse. Verwandlung und Belebung ist der intensivste Prozess im kindlichen Spiel, solange das kleine Kind noch eher im Umkreis lebt und seine Leibeshülle noch mit seiner Wärmung überschreitet, so lange lebt die ganze Umgebung mit, es ist eins in der belebten Welt. Je mehr das Kind den Blick richtet, den Gegenstand erfasst und den absterbenden Prozess der Begriffsbildung ergreift, desto eher verbindet es sich mit dem verhärtenden Abbau. Darf es in einer belebten, verwandlungsbereiten Umgebung spielen, so kann sich der Leberprozess aktiv und anpassungsfähig entwickeln. Wie schon erwähnt bereitet die Leber aus den zerstörten Blutkörperchen die Gallenflüssigkeit, die eingedickt in der Gallenblase auf ihren Einsatz in der Verdauung wartet. Die Gallenflüssigkeit hat eine aggressive Zerstörungskraft. Aggressivität ist in unserem Sprachgebrauch ein zu starkes ´Draufzugehen`, eine gestaute Willenskraft. Unser Organismus braucht aber diese scharfe Auseinandersetzung um gesund zu bleiben, jeder Ärger staut den Gallenfluss- bis zum Überlaufen. >Wenn Sie keine Galle hätten, wären Sie fürchterliche Phlegmatiker, die Hände, die Arme, den Kopf ließen Sie hängen… Galle muss der Mensch haben, Die Galle muss aus der Leber kommen. Wenn die Leber verhältnismäßig klein ist, so wird eben der Mensch phlegmatisch, wenn die Leber verhältnismäßig groß ist, so hat der Mensch viel Feuer in sich, denn die Galle macht Feuer<. (8) Das kleine Kind ist ein stetiger Beweger, sein Wille ist, wenn es wach ist, immer bemüht den Leib zu erkunden, die Welt zu erkunden und seinem Willen allmählich ein Ziel zu geben. Was machen wir mit diesen großen Willenswesen, wenn wir sie stundenlang bewegungslos in Maxikosis fesseln und sie nur den Abbauprozessen des Nervensinnessystems aussetzen?? Initiativkraft, Enthusiasmus, belebende Ideen haben wenig leibliche Grundlage, wenn das kleine Kind keine Zeit im Bewegungsraum hat, kein freies Spiel mehr in der Kindheit ausleben- erleben kann. Dieses ´Raum schaffen` gestaltet innerleiblich die Milz. War sie in der Embryonalzeit noch ´Blutschaffend`, so ist sie nach der Geburt ´Blutfressend`. Sie ist abgrenzendes Bollwerk gegen Fremdkörper, die in uns eingedrungen sind. Alte Blutzellen werden zerstört und wie erwähnt zur Leber gebracht. Dadurch, dass Altes zerstört wird kann Neues erst gebildet werden, es wird Raum für Neues geschaffen. Um z.B. die Nahrungsstoffe zu individualisieren und eigene Stoffe aufzubauen ist das Zerstören Voraussetzung. Solange das Kind gestillt wird ist noch kaum diese Aktivität im Organismus gefordert. Hat das Kind seine Leibesgrenze mehr erfahren, begegnet mir der Blick, so beginnt langsam die Abgrenzung, das eigene Immunsystem entwickelt sich. Verlieren wir unsere Leibesgrenze, das kann man in der Psychiatrie erleben, das zeigen auch Astronautenversuche, so wird man verrückt und der Zerstörungswille richtet sich gegen sich selbst – in der englischen Sprache heißt die Milz spleen ! Kennen Sie das begeisterte Spiel, den Blick des Kindes dabei? : der Turm wird aufgebaut - und umgestoßen, wieder und wieder; die Sandkuchen werden ordentlich in einer Reihe gebacken – und schwupp sind alle voll Freude zerstört. Die Ausdauer der Kinder ist dabei weit länger als unsere, lassen wir ihm den freudig erlebten Prozess und das Feuer im Blick! Wie anfangs erwähnt wäre nicht nur die Beschäftigung mit Bildekräften der Umgebung, die Verwandlungen, Entstehungen, das sinnlich sichtbare Gestalten ... notwendig, sondern ich müsste auch den Bezug zu den vier Ätherarten entwickeln und die Bedeutung der Sinneswahrnehmungen darin finden. Das überlasse ich dem interessierten, geduldig suchenden Leser. Im Exkarnationsvorgang beim Erwachsenen, z.B. also bei psychiatrischen Erkrankungen oder in der Heilpädagogik kann man die Zusammenhänge der Organe mit den Seelenzuständen deutlich beobachten, beim kleinen Kind im Inkarnationsvorgang kann man es nur erahnen. Im Heilpädagogischen Kurs beschreibt R.Steiner : > die feineren Krankheiten liegen in den flüssigen Teilen, der ein Organ, zum Beispiel die Leber, durchzieht, in der Bewegung der Flüssigkeit und sogar in der Bewegung des Gasförmigen, das die Leber durchzieht. Auch die Durchwärmung eines solchen Organs ist von ganz besonderer Bedeutung für das Seelenleben<. (7) Steiner weist darauf hin, dass man beim kleinen Kind bei einer Willensschwäche zuerst fragen muss mit welchem Organ die Schwäche zusammenhängt. Sodass der Blick bei jeder sogenannten Verhaltensauffälligkeit zuerst auf die Organtätigkeit gelenkt werden kann um ein Kind zu verstehen. Kann man, wenn man das freie kindliche Spiel der ersten Jahre anschaut sagen, dass es vorrangig ein Spiegel der Organtätigkeit ist? Dass das, was sich Innen bildet Außen sichtbar wird oder dass das Sichtbare hilft das Innere zu bilden? Viele, viele Fragen entstehen, vor allem wenn man bedenkt, dass weltweit die kleinen Erdenbürger gleiche Spielimpulse bewegen, ebenso wie ihre Kinderzeichnungen ein Bild der leibbildenden Prozesse nach außen legt. Die Bedeutung des kindlichen Spiels und der lebendigen Umgebung auf die Organbildung als Grundlage für seelisch-geistige Prozesse habe ich nur an einem kleinen Zipfel berührt. Es ist ein erster Versuch einen sehr komprimierten Blick auf die Organentfaltung zu werfen und dies beobachtend mit dem kindlichen Spiel zu verknüpfen. Ihre Aufgabe, könnte es sein das Geschehen zu beobachten, die kurz erwähnten Dimensionen zu erweitern. Wenn Sie Beobachtungen und Anregungen zu dem Thema haben und Freude am Austausch dazu, würde ich mich sehr über Erweiterungen freuen. Zur Autorin: Almuth Strehlow, Dozentin am Rudolf Steiner Institut Kassel seit 1992 Ausbildungen : Erzieherin, Psychomotorikerin, Künstlerische Therapie, Master in Futher Education, Education for Adults and Schoolmanagement Literatur Funktionelle Anatomie des Menschen / Rohen Wenn die Organe sprechen könnten / Koob Geisteswissenschaft und Medizin GA 312 / Steiner Im Kraftfeld der Organe / Holzapfel Anatomie des Menschen / Rohen Okkulte Physiologie GA 128 / Steiner Heilpädagogischer Kurs GA 317 / Steiner Mensch und Welt GA 351 / Steiner Aufsätze aus Das Goetheanum 1923 / Steiner Die Theosophie des Rosenkreuzers GA 99 / Steiner Der innere Mensch und sein Leib / Kranich

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