Ausbildertreffen zu Forschungsfragen in Irland im Oktober 2018

(please be aware of the english version)

Vom 11.10. bis 14.10.2018 trafen sich 85 AusbilderInnen aus 36 verschiedenen Ländern in Kilkenny/Irland. Unser gemeinsames Thema bei diesem vierten internationalen Treffen der Ausbildungsstellen zur WaldorferzieherIn war die Forschung. Wie gelingt es selber Forschende/r zu sein, wie verbinden wir akademische Forschung mit geisteswissenschaftlicher Forschung? Wie bleiben wir am Strom der Zeit und befragen die verschiedensten wissenschaftlichen Forschungen? Wie arbeiten wir selber als Forschende der Naturwissenschaft, der Sozialforschung, der Erziehungswissenschaft … und vor allem als Mensch, der/die innerhalb der Anthroposohie forschend unterwegs ist – wie arbeiten wir mit der Nacht?
Die einführenden Vorträge – in denen auch Übungen und der Austausch beinhaltet waren, hielt Florian Oswald, Leiter der Pädagogischen Sektion in Dornach.

Viele Gespräche in und neben den verschiedensten Arbeitsgruppen bewegten die Themen des Morgens weiter. Von einem Gedankenstrang möchte ich hier gerne etwas genauer berichten.
In einer meiner beiden Arbeitsgruppen waren acht Menschen vertreten, die Erfahrungen aus vielen verschiedenen Ländern mitbrachten, überwiegend aus unterschiedlichen Ländern kommend und gleichzeitig noch in verschiedenen Ländern unterrichtend. Wir sammelten im ersten Schritt unsere individuellen Forschungsfragen:

1. Wie gelingt es in einem Land (Äthiopien), in dem sehr viele verschiedene Kulturen und Religionen aufeinander treffen, die Ausbildung so zu gestalten, dass Waldorfpädagogik und deren Umsetzung lebendig vermittelt und aus der Menschenkunde entwickelt wird?

2. Welche Phänomene im einzelnen und Menschheitlich führen dazu, dass die innere Flexibilität und Weiterentwicklung der Pädagogik – und unsere eigene Flexibilität – oft verloren gehen?

3. Gibt es Methoden, um Bilder innerlich in Bewegung zu halten, um Bilder als Imaginationen zu erkennen? Archetypen in der Erwachsenenbildung.

4. Wie gestalten wir die Ausbildungen, damit wir sozialfähig werden – aus inneren Bildern und Imaginationen für Zukünftiges heraus?

5. Was bedeutet Freiheit, da transgenerationale Übertragungen uns beeinflussen und manche Erfahrung durch strukturelle Gewalt der Kindheit unsere Entwicklung prägte? Wie bearbeiten wir das „Gewordene“ in adäquater Weise?

6. Methodologie – interkulturelles Lernen? Wie macht man Unsichtbares sagbar – wie arbeiten wir mit der Nacht? Wie gelingt die Balance zwischen akademischer Forschung und geisteswissenschaftlicher Forschung?

7. Was heißt „Erziehung zur Freiheit“ in verschiedenen Kulturen – im ersten Schritt selbstreflektierend in uns selber?

8. Von wo aus starte ich in der Ausbildung – was ist die Basis der Gemeinsamkeit?

Nachdem wir unsere Forschungsfragen vorgestellt und erläutert hatten, entschieden wir uns eine Frage herauszugreifen, um anhand dieser Frage ein anfängliches Hinarbeiten zu einem Forschungsdesign zu entwerfen. Da wir alle die kulturelle Vielfalt um uns herum erleben, nahmen wir uns der ersten Frage an.

Wie gelingt es in einem Land, in dem sehr viele verschiedene Kulturen und Religionen aufeinander treffen, die Ausbildung so zu gestalten, dass Waldorfpädagogik lebendig vermittelt wird und aus der Menschenkunde entwickelt wird?

• Schnell wurde deutlich, dass wir als teilnehmende BeobachterIn innerhalb der qualitativen Sozialforschung als ersten Schritt selbstreflexiv den eigenen Standpunkt – den eigenen Ausgangspunkt detailliert darstellen müssen.
• Die Begriffe Kultur / Soziokultur bedürfen einer Auseinandersetzung und Definition. Dazu könnten wir Schreibgespräche, Fragebögen, narrative Gespräche, Gruppendiskussionen oder Leitfadeninterviews innerhalb unseres Umkreises verwenden.
• Daran anschließend wurde klar, dass das Thema deutlich einzugrenzen, enger zu fokussieren, d. h. auf „meine“ Ausbildungssituation“ herunter zu brechen ist.
• Ebenso bedarf es einer intensiven Auseinandersetzung mit Religion. Unserem Thema entspechend diskutierten wir über Rudolf Steiners Aussage (Literaturstudium), dass das Kind im ersten Jahrsiebt als Welternbürger eine“leibliche Religion“ erlebt. Dies in seiner Bedeutung vertieft zu ergründen, ist ein weiterer Forschungsauftrag.
• Aus der daraus entstehenden Expertendiskussion kamen wir zu einer These, die es weiter zu erforschen gilt:

Kann es sein, dass wir durch die Menschenkunde, die wir uns anhand von gelungenen Kinderkonferenzen (Entwicklungsdialogen eines Kindes) immer wieder neu im Team erarbeiten, wir Erziehungskunst so leben lernen, dass die Didaktik für jedes Kind aus jeder Kultur in jeder Religion Entwicklung zu sich selbst ermöglicht? Dass es in der Umsetzung der Methodik-Didaktik im Zeitalter der Bewußtseinsseele keine Beurteilung nach richtig und falsch mehr geben kann, keine Rezeptpädagogik mehr angesagt ist, sondern wir individuell forschend durch die Kinderindividualitäten „meiner“ Gruppe, ich als „ErmöglicherIn“ lebe und für den anderen die Umgebung bereitstelle?

• Innerhalb des Weges der Forschung Grounded Theorie (Glaser & Strauss) würde hier ein neuer Strang beginnen…

Das Ganze ist eine sehr knappe Zusammenfassung, die vielleicht Ideen erweckt und motiviert auf den eigenen Forschungsweg zu gehen.

Kassel, 11.11.2018

Almuth Strehlow

Almuth Strehlow

Erzieherin, Ausbildungen in künstlerischer Therapie und Psychomotorik Master - Further Education, Education for Adults and Schoolmanagement

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